Die Invasion (Teil 2)
Wie die Marsmännchen kamen
Marsianer ziehen in den Lemsener Stadtrat ein
Drei der sieben Sitze gehen an marsianische Kandidaten
Lemsen, 18.04.2040 – Bei der diesjährigen Stadtratswahl sind erstmals marsianische Kandidaten in den Lemsener Stadtrat gewählt worden. Drei der insgesamt sieben Sitze gehen künftig an Vertreter der marsianischen Bevölkerung.
Die Wahlbeteiligung lag insgesamt bei 46 Prozent. Unter den marsianischen Einwohnern fiel sie deutlich höher aus als unter den menschlichen Bürgern. Von den wahlberechtigten Marsianern gaben nach Angaben der Stadtverwaltung 87 Prozent ihre Stimme ab. Bei den menschlichen Wahlberechtigten waren es lediglich 31 Prozent.
Das Ergebnis sorgt bei Teilen der menschlichen Bevölkerung für Überraschung.
„Ich hätte nicht erwartet, dass gleich drei Marsianer gewählt werden“, sagte ein langjähriger Einwohner gegenüber unserer Redaktion.
Vor der Wahl hatten vereinzelt Stimmen einen möglichen Wahlbetrug vermutet. Hinweise auf Unregelmäßigkeiten liegen nach Angaben der Wahlleitung jedoch nicht vor.
Die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrats findet in der kommenden Woche statt.
Neue Spielplätze für marsianische Kinder
Stadt schafft zusätzliche Freizeitangebote für den Nachwuchs
Lemsen, 24.05.2040 – Die Stadt Lemsen errichtet mehrere neue Spielplätze für marsianische Kinder. Die Anlagen entstehen in verschiedenen Wohngebieten und sollen den jüngsten Einwohnern sichere Orte zum Spielen und Toben bieten.
Geplant sind unter anderem große Grünflächen, Sandbereiche, Spielhäuser, Kletteranlagen und Rutschen. Die Spielplätze wurden speziell an die körperlichen Voraussetzungen marsianischer Kinder angepasst.
„Marsianische Kinder unterscheiden sich in ihrer körperlichen Entwicklung deutlich von menschlichen Kindern“, erklärt die Stadtverwaltung. „Die neuen Anlagen ermöglichen ihnen ein sicheres und altersgerechtes Spielen.“
Aus Sicherheitsgründen bleiben die Spielplätze ausschließlich marsianischen Kindern vorbehalten. Entsprechende Hinweise werden an den Eingängen angebracht.
Die ersten Anlagen sollen bereits im kommenden Monat eröffnet werden.
Die Stadt betont, dass es sich nicht um eine Benachteiligung menschlicher Kinder handelt. Für diese sollen weiterhin die bestehenden Spielplätze zur Verfügung stehen.
Beitrag in der Facebook-Gruppe „Lemsen – Wir halten zusammen“
Maryam K. · 3. Juli 2040
Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt etwas dazu schreiben soll. Aber irgendwann reicht es.
In unserer Straße wurde ein neuer Spielplatz gebaut. Groß, schön und mit allem, was Kinder brauchen.
Meine Kinder dürfen ihn nicht benutzen.
Warum?
Weil sie Menschen sind.
Ich verstehe, dass marsianische Kinder besondere Bedürfnisse haben. Dann baut ihnen passende Spielplätze. Dagegen habe ich nichts.
Wir leben in derselben Stadt. Unsere Kinder gehen auf dieselben Straßen. Warum dürfen sie nicht miteinander spielen?
Ich fordere keine Sonderbehandlung für Menschen.
Ich fordere Gleichbehandlung für unsere Kinder.
Wenn wir anfangen, Kinder nach ihrer Herkunft voneinander zu trennen, wohin soll das noch führen?
Moderationsmitteilung
Verstoß gegen die Gemeinschaftsrichtlinien
Liebe Maryam K.,
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Das Moderationsteam
Bevölkerungsentwicklung in Lemsen
Anteil der marsianischen Bevölkerung innerhalb von zwei Jahren deutlich gestiegen
Lemsen, 03.10.2040 – Die Bevölkerungsstruktur Lemsens hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verändert. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes ist die Zahl der in Lemsen lebenden Marsianer stark gestiegen.
Bevölkerungsentwicklung
2038
Gesamtbevölkerung: 15.011
Davon Marsianer: 11
Anteil: 0,07 %
2039
Gesamtbevölkerung: 15.842
Davon Marsianer: 684
Anteil: 4,3 %
2040
Gesamtbevölkerung: 17.126
Davon Marsianer: 2.347
Anteil: 13,7 %
Besonders auffällig ist der hohe Anteil minderjähriger Marsianer. Von den derzeit 2.347 marsianischen Einwohnern sind rund 1.500 unter drei Jahre alt. Damit machen Marsianerkinder etwa neun Prozent der Gesamtbevölkerung Lemsens aus.
Der starke Bevölkerungszuwachs ist vor allem auf Zuzüge und Geburten zurückzuführen. Allein im vergangenen Jahr wurden in Lemsen mehr als 400 marsianische Kinder geboren.
Die menschliche Bevölkerung blieb im gleichen Zeitraum weitgehend stabil. Gleichzeitig nahm die Zahl der menschlichen Haushalte leicht ab.
Das Statistische Landesamt geht davon aus, dass sich die Bevölkerungsstruktur Lemsens weiter verändern wird.
Eine Prognose zur zukünftigen Entwicklung wurde bislang nicht veröffentlicht.
Neue Schule für marsianische Schüler
Lemsen schafft eigenes Bildungsangebot für wachsende marsianische Bevölkerung
Lemsen, 04.06.2041 – Die Stadt Lemsen plant den Bau einer eigenen Schule für marsianische Kinder und Jugendliche.
Die neue Schule soll den besonderen sprachlichen, kulturellen und religiösen Bedürfnissen marsianischer Schüler gerecht werden. Der Unterricht findet überwiegend auf Marsani statt. Erdsprachen werden weiterhin als Nebenfach angeboten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Lehren des Deimismus und der marsianischen Kultur.
„Bildung muss die Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen“, erklärt die Stadtverwaltung. „Die neue Schule schafft dafür die notwendigen Voraussetzungen.“
Der Unterricht soll mit dem regulären Schulabschluss vergleichbar sein.
Die Schule wird ausschließlich marsianischen Schülern offenstehen.
Der Baubeginn ist für das kommende Jahr geplant. Die Stadt rechnet mit einer Fertigstellung zum darauffolgenden Schuljahr.
Mit der neuen Schule reagiert Lemsen auf die stark gestiegene Zahl marsianischer Kinder und Jugendlicher.
Fahrplanänderung für Schulbuslinien
Stadt richtet umfangreiches Busnetz für marsianische Schüler ein
Lemsen, 20.07.2042 – Mit Beginn des neuen Schuljahres hat die Stadt Lemsen zusätzliche Schulbuslinien eingerichtet. Die Busse verbinden die marsianischen Wohngebiete mit der neuen Schule am Stadtrand.
Die neuen Busse wurden speziell an die körperlichen Voraussetzungen marsianischer Schüler angepasst. Die Sitze sind entsprechend kleiner dimensioniert.
Die bisherigen Schulbuslinien für menschliche Schüler wurden im Zuge der Umstellung gestrichen. Die Stadt begründet diesen Schritt mit den gestiegenen Betriebskosten und notwendigen Einsparungen.
„Wir müssen unsere vorhandenen Mittel möglichst effizient einsetzen“, erklärt die Stadtverwaltung.
Weitere Anpassungen sind zur Zeit nicht geplant.
Graffiti an marsianischem Schulbus
WIR LASSEN UNS NICHT VERTREIBEN!
WIR WERDEN NICHT SCHWEIGEN!
T.E.
Lemsen wird zweisprachig
Stadt führt Marsani als zweite Amtssprache im öffentlichen Raum ein
Lemsen, 05.02.2043 – Die Stadt Lemsen passt ihre öffentliche Kommunikation an die wachsende marsianische Bevölkerung an.
Künftig werden wichtige städtische Informationen sowohl auf Deutsch als auch auf Marsani veröffentlicht. Auch Straßenschilder und öffentliche Wegweiser werden schrittweise zweisprachig gestaltet. Auch Formulare, Bekanntmachungen und Informationen zu städtischen Angeboten sollen künftig in beiden Sprachen verfügbar sein.
Die Stadt begründet den Schritt mit der veränderten Bevölkerungsstruktur.
„Unsere Stadt hat sich verändert. Die Verwaltung muss diese Entwicklung berücksichtigen“, erklärt die Stadtverwaltung.
Die Umstellung soll schrittweise in den kommenden Monaten erfolgen.
Die Stadt betont, dass Deutsch weiterhin Amtssprache bleibt.
Mit der Maßnahme soll die Teilhabe aller Einwohner am öffentlichen Leben gewährleistet werden.
Sanierung der Lemsener Schule verschoben
Stadt verweist auf angespannte Haushaltslage
Lemsen, 25.06.2043 – Die geplante Sanierung der Lemsener Schule wird vorerst nicht stattfinden. Das teilte die Stadtverwaltung bei der Vorstellung des neuen Haushaltsplans mit.
Das Gebäude weist seit Jahren erhebliche Mängel auf. Unter anderem müssen Dach, Fenster und Heizungsanlage dringend erneuert werden. Die dafür vorgesehenen Mittel wurden im aktuellen Haushalt gestrichen. Als Grund nennt die Stadt notwendige Einsparungen.
Gleichzeitig wurden Mittel für den Bau einer zweiten marsianischen Schule bewilligt. Die neue Schule soll den steigenden Schülerzahlen Rechnung tragen und bereits im kommenden Jahr eröffnet werden.
Die Stadt verweist darauf, dass beide Projekte aus unterschiedlichen Haushaltsposten finanziert werden.
Eine spätere Sanierung der bestehenden Schule sei weiterhin vorgesehen. Ein konkreter Termin wurde nicht genannt.
Flyer an der Lemsener Schule
FÜR UNSERE SCHULE IST KEIN GELD DA.
FÜR EINE ZWEITE MARSANERSCHULE SCHON.
WIE LANGE NOCH?
WIR HABEN GENUG!
T.E.
Beitrag in der Facebook-Gruppe „Lemsen – Wir halten zusammen“
Maryam K. · 14. November 2043
Wir haben lange überlegt. Jetzt haben wir unsere Wohnung verkauft.
Wir verlassen Lemsen.
Nicht, weil wir die Marsianer hassen.
Wir sind einfach müde geworden, uns in unserer eigenen Stadt immer weniger zuhause zu fühlen.
Unsere Schule wird nicht saniert. Unsere Kinder dürfen manche Spielplätze nicht betreten. Immer mehr Geschäfte, Schilder und Einrichtungen richten sich ausschließlich an Marsianer.
Und jedes Mal heißt es, wir müssten Verständnis haben.
Aber wer hat eigentlich noch Verständnis für uns?
Wir ziehen weg. Und wir sind nicht die Einzigen.
Marsianer stellen die Hälfte der Bevölkerung
Lemsen erreicht historischen Wendepunkt
Lemsen, 02.07.2044– Erstmals in der Geschichte der Stadt stellen Marsianer die Hälfte der Bevölkerung Lemsens.
Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes leben derzeit rund 9.800 Marsianer in der Stadt. Damit machen sie 50,1 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.
Zum Vergleich: Vor sechs Jahren lebten lediglich 11 Marsianer in Lemsen.
Der starke Anstieg ist auf Zuzüge und die hohe Geburtenrate der marsianischen Bevölkerung zurückzuführen. Gleichzeitig ist die Zahl der menschlichen Einwohner deutlich zurückgegangen. Viele Familien haben Lemsen in den vergangenen Jahren verlassen.
Das Statistische Landesamt bezeichnet die Entwicklung als „außergewöhnlich dynamisch“.
Bevölkerungsanteile
Marsianer: 50,1 Prozent
Menschen: 49,9 Prozent
Eine Prognose zur weiteren Bevölkerungsentwicklung wurde nicht veröffentlicht.
von Belinda Ebener
Gespräch
Bittere Realität...
Sogar bei uns gibt es immer mehr Marsianer und Jupitaner.
Es lässt einen betroffen zurück. Und die Parallelen zur derzeitigen gesellschaftlichen Enwicklung sind erschreckend.